Der Wisent

Zugegeben, diese imposante Tierart hatten wir noch nicht in unserer Auffangstation in Pflege.

Der Grund dafür liegt jedoch nicht in dem vermeintlich glücklichen Umstand, dass sie in unserer Umwelt nicht in Not geraten würden, sondern, dass der Wisent Anfang des vergangenen Jahrhunderts beinahe ausgestorben war und sein Überleben in freier Wildbahn auch heute alles andere als gesichert ist.

 

Dass heute im osteuropäischen Urwaldgebiet Białowieża wieder mehrere Populationen in freier Wildbahn leben, verdanken wir einem aufwendigen Zuchtprogramm, mit dem die Art erhalten werden konnte. Ihr Niedergang war wie bei Wolf und Luchs allein durch die Auswirkungen des Menschen verursacht. In freier Wildbahn wurde dann der letzte Wisent in den 1920er Jahren erschossen. 

Die heute lebenden Wisente stammen von nur einem Dutzend ihrer Art ab, die in Wildparks und Zoos gehalten wurden. Die Unterart des Bergwisents ist jedoch leider ausgestorben. Es existieren nur noch Kreuzungen mit der zweiten Unterart, dem Flachlandwisent, dessen Art erhalten werden konnte.

Trotz der Bemühungen über die Grenzen hinweg ist ein langfristiger Erhalt des Wisents gefährdet, da die genetische Variabilität aufgrund von ursprünglich nur noch 12 Individuen sehr niedrig ist.

 

2013 konnte im Rothaargebirge wieder eine kleine Herde ausgewildert werden, nachdem sie zuvor ein paar Jahre in einem Auswilderungsgehege gehalten worden waren.

 

Das Herdentier, das zur Art der Rinder gehört und mit dem amerikanischen Bison verwandt ist, bevorzugt als Lebensraum Laub- und Mischwälder. Die Reviergröße einer Herde umfasst in der Regel circa 4.500 bis 5.500 Hektar, das ist etwas weniger als unser Heimatkreis Pinneberg.

Wie bei unseren Hausrindern nennt man die weiblichen Tiere Kühe, die männlichen Tiere Bullen und die Jungtiere Kälber. Und wie auch Rothirsch und Reh sind Wisente strenge Vegetarier. Sie ernähren sich von der Krautschicht sowie von Laub, Trieben und vereinzelt auch von Baumrinde. Eine Herde wird von einer Leitkuh angeführt.

 

Im Gegensatz zum Sehvermögen ist der Geruchssinn des Wisents sehr gut ausgeprägt. Kühe und ihre Kälber erkennen sich dazu an ihrer Stimme.

Auf einer kurzen Distanz können die stolzen Kolosse bis zu 60 Stundenkilometer erreichen, jedoch bewegen sie sich in der Regel geruhsamer fort. Man darf die träge wirkenden Tiere nicht unterschätzen, denn trotz ihrer Größe sind sehr wendig und geschickt und können bis zu zwei Meter hohe Hindernisse und drei Meter breite Gräben überspringen.

 

Dass der Wisent ein charakteristisch typisches Wildtier ist, zeigt auch, dass es bisher nicht möglich war, ihn zu zähmen. Er behält selbst dann ein Misstrauen gegenüber uns Menschen, wenn er lange Zeit in Gefangenschaft gehalten bzw. geboren wurde, selbst bei Handaufzuchten.

 

Text: Katharina Erdmann, Wildtier- und Artenschutzzentrum gGmbh

Foto: www.pixelio.de

Quelle: www.wikipedia.de