Heimliche Waldbewohnerin: die Wildkatze

Nahezu unsichtbar für menschliche Naturbeobachtung streift sie im Schutz der Dunkelheit durch die europäischen Wälder. Obschon wir sie nur äußerst selten zu Gesicht bekommen, können wir uns dennoch prinzipiell eine gute Vorstellung vom Erscheinungsbild dieses Wildtieres machen, denn seine Verwandten schlossen sich bereits vor tausenden von Jahren dem Menschen an und sind uns 

heute wohlbekannt. Haus- und Wildkatze verfügen über einen gemeinsamen weit verbreiteten Vorfahren (felis silvestris), dessen Anpassung an unterschiedliche Lebensräume vier Unterarten hervorbrachte: die Europäische Wildkatze, die Asiatische Wildkatze, sowie zwei Arten der Afrikanischen Falbkatze, der friedlichste Typ von allen, auf den die bekannte Hauskatze zurückzuführen ist. 

Den wildfarbenen Exemplaren unserer Hausgenossen sehen sie auch durchaus ähnlich, wobei der Körperbau bei ca. gleicher Größe insgesamt kräftiger und gedrunger wirkt, da sie um einiges langhaariger sind, was auch ihre Ohren kleiner erscheinen lässt. Auch der dunkelberingte Schwanz, mit seinem schwarz eingefärbten Ende, ist wesentlich buschiger. Die Kehle der Wildkatze ziert ein weißer Fleck und ihre Nase ist fleischfarben. Sie leben am liebsten in naturnahen Laub- oder Mischwäldern in Gebieten deren Winter mild ist. Die begnadeten Jäger brauchen Felsen und Buschwerk in ihrem Territorium, damit genügend Verstecke und Erfolge bei der Nahrungssuche sichergestellt sind. In Mitteleuropa stehen vor allem Mäuse auf ihrem Speiseplan, bei entsprechendem Angebot seltener auch Kaninchen, Eidechsen, Frösche, Insekten und Kleinvögel. Pflanzliche Nahrung wird kaum verspeist und auch Aas nur in Ausnahmefällen verwertet.Die Größe eines Wurfes liegt ähnlich wie bei der Hauskatze zwischen 2-6 Jungen. Das Hirnvolumen ist im Verhältnis zur Schädeldecke allerdings größer als beim zahmen Verwandten. Die Bereitschaft, sich auf Menschen oder auch Hauskatzen einzulassen, ist bei Wildkatzen äußerst gering. Selbst Handaufzuchten bleiben scheu und lassen sich nur selten zähmen und hybride Lebensformen aus Haus- und Wildkatze, die nur mithilfe genetischer Tests zu erkennen sind, kommen selten vor. In Europa waren Wildkatzen bis ins 20. Jhd. hinein weit verbreitet. Sie konnten sich in diesen Gefilden über Jahrtausende entwickeln und überleben. Ihr ernstzunehmender Rückzug in den vergangenen Jahrzehnten wird vor allem auf die zunehmende Einengung ihres Lebensraums zurückgeführt: Strassen, Bahnlinien, Siedlungen und andere menschliche Bebauungsmaßnahmen zerschneiden ihren Lebensraum. Dies ist ein generelles Problem für viele Wildtierarten. Die scheue Wildkatze scheint allerdings große Probleme zu haben, sich an die Bedingungen unserer modernen Kulturlandschaften anzupassen: Untersuchungen ergaben, dass bereits wenige hundert Meter deckungsfreier Landschaftsstreifen die Tiere daran hindert, die Reviere zu wechseln. 

Der Bestand der Wildkatze in Deutschland ist von mehreren Zehntausend auf 3.000 bis 5.000 Tiere zurückgegangen. Die Wildkatze gilt daher in Deutschland als vom Aussterben bedrohte Art. 

Die Unternehmungen des BUND sind in dieser Hinsicht richtungsweisend. Ein 

Wildkatzenwegeplan hilft dabei, die Lebensräume mithilfe von Grünbrücken, Waldinseln und sog. Wildtierkorridoren zu einem großräumigen Biotopverbund länderübergreifend zu vernetzen. Die Zusammenarbeit unterschiedlicher Projekte hat zum Beispiel das Ziel, den Wildkatzen die Wanderung vom Harz, dem Hamburg nächstgelegenen Verbreitungsgebiet, bis in die Heide , in der sie früher heimisch waren, zu ermöglichen.

 

Text: Kristina Kielblock