Der Waldgeist namens Waldkauz

Vorkommen und Verbreitung
Der Waldkauz bewohnt bewaldete Gebiete. Er ist zusammen mit der Waldohreule die häufigste Eulenart in Deutschland. Er erreicht eine Körperlänge von 40 bis 42 Zentimetern und wiegt zwischen 330 und 630 Gramm. Weibchen sind tendenziell schwerer als die Männchen. Das durchschnittliche Gewicht von in Deutschland gefangenen Waldkauzweibchen beträgt 560 Gramm, während Männchen in der Regel rund 120 Gramm leichter sind. Der Körperbau eines Waldkauzes ist kompakt, der Kopf wirkt im Verhältnis zur Körpergröße groß. Der Gesichtsschleier ist dunkel umrahmt und überwiegend einfarbig beigebraun. Die Iris ist schwarzbraun, die Pupille blauschwarz. Die Augenlider sind kahl und blassrot. An ihren Wurzeln sind die Krallen grau, gehen dann in ein Hornbraun über und enden in einer schwarzen Spitze.

 

Besonderheiten Hamburg
Der Waldkauz bewohnt besonders Friedhöfe mit altem Baumbestand. Dort hat die Eule Ruhe und findet in ausgefaulten Ästen Bruthöhlen für die Jungenaufzucht sowie einen Schlafplatz. In Hamburg brütet der Waldkauz z.B. im Klövensteen, in weitläufigen Parks und waldähnlichen Gebieten.

Lebensweise
Als Höhlenbrüter ist er auf Baumhöhlen angewiesen, nimmt aber auch Mauerlöcher und Felshöhlen sowie spezielle Nistkästen an. Auch Dachböden von Feldscheunen dienen hier und da als Brutplatz. In baumarmen Gebieten kommt der Waldkauz nicht vor. Als Mäusefänger ist er ein gern gesehener Gast auf landwirtschaftlichen Höfen. Bei Mäuseknappheit kann sich der Waldkauz ohne Weiteres auf Kleinvögel umstellen. Selbst Eichhörnchen und kleine Eulen wie der Steinkauz sind vor ihm nicht sicher. Allerdings kommen dem kleinen Steinkauz dabei die vergangenen Uhuansiedlungsprogramme zugute, denn diese größte Eule der Welt verfolgt wiederum den Waldkauz.
Die durchschnittliche Brutdauer beträgt 28 bis 30 Tage. Es brütet allein das Weibchen. Die Jungen schlüpfen in den Intervallen, in denen die Eier gelegt wurden. Frisch geschlüpfte Waldkauzjunge wiegen durchschnittlich gerade mal 28 Gramm und sind während der ersten neun Lebenstage noch völlig blind. Der weibliche Elternvogel hudert  (= Schützen von Nestlingen) die Jungen während der ersten zehn Tage und füttert sie mit kleinen Teilen der Beutetiere.
Die Jungvögel verlassen im Alter von 29 bis 35 Tagen die Bruthöhle. Beim Sprung aus der Höhle fallen viele Waldkauzjungen auf den Erdboden. Sie versuchen dann, laufend zu einem Gestrüpp oder einem dickborkigen Baum zu kommen, an dem sie hochklettern können. Als sogenannte Ästlinge werden sie dort von den Elternvögeln versorgt. In einem Alter von etwa 50 Tagen sind sie in der Lage, dem weiblichen Elternvogel bereits 40 bis 50 Meter fliegend zu folgen.


Probleme
Wenn die Waldkäuze sich den Lebensraum mit dem Menschen teilen, kommt es jedes Jahr im April zu den immer wiederkehrenden Problemen. In der Annahme, die auf dem Boden sitzenden jungen Eulen seien verlassen, werden diese oft eingesammelt und in Pflegestationen gebracht. Sicherlich stellen Fuchs und Wildschwein eine Gefahr dar, aber in diesem Fall kann man die Jungeulen ohne Weiteres anfassen und auf einen erhöhten Ast oder Busch setzen. Selbst schon abgegebene Jungeulen können ohne Probleme wieder an den Fundort zurückgesetzt werden, soweit dieser bekannt ist. ACHTUNG! Waldkäuze sind dafür bekannt, dass sie auch ihre Jungen gegen Menschen verteidigen. Sie greifen direkt an, und es kommt vor, dass sie dabei Menschen mit ihren Krallen im Gesicht verletzen.

Versorgung
Es gibt natürlich auch den Fall, dass Jungeulen unterversorgt und verlassen am Waldboden sitzen. Das kann daher kommen, dass die Elterntiere z.B. Opfer eines Unfalles im Straßenverkehr wurden. Häufig haben schon Fliegen ihre gelben Eierpakete im Flaumgefieder der Jungeulen abgelegt. Ein Zeichen, dass Hilfe notwendig ist. Transportieren Sie die Eule in einem Karton und beginnen Sie sofort mit der Entfernung der Fliegeneier. Schauen Sie dafür ganz genau zwischen den Daunen und besonders an den Körperöffnungen. Füttern Sie nur artgerechtes Futter, d.h. Mäuse, Jungratten und auch Eintagsküken. Füttern Sie bitte NIEMALS Katzen- oder Hundedosenfutter! Natürlich darf eine solche Jungeule keine Bindung zum Menschen aufbauen, da sie sonst zahm werden und in Zukunft nur sehr schlecht in der freien Wildbahn zurecht kommen würde.