Größte Eule der Welt: der Uhu

Obschon der Volksmund ihm so wohlklingende Namen wie König oder Herrscher der Nacht zuwies, wurde dieser imposante Eulenvogel mit seinen charakteristischen goldgelben, großen Augen, besonders im 18. und 19. Jahrhundert als „Niederwaldschädling“ erbittert verfolgt und bekämpft. Mit Giftködern, Schlagfallen und Schusswaffen zogen die Menschen gegen den vermeintlichen Konkurrenten bei der Jagd von z.B. Rebhühnern, Fasanen oder Hasen zu Felde und betrachteten sich selbst dabei als „Schädlingsbekämpfer“. Sogar Abschussprämien wurden für das Erlegen eines Uhus gezahlt. Darüber hinaus wurden Jungtiere ausgehorstet, um sie zur sogenannten „Hüttenjagd“ als Köder einzusetzen. Völlig unbeachtet blieb dabei die Tatsache, dass dieser Beutegreifer durchaus eine wichtige regulierende Funktion im Ökosystem durch seine Jagd auf Habicht, Bussard, Rabenkrähe oder Fuchs übernimmt.

Trotz eines 1935 erlassenen Jagdverbots stand in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts „Bubo Bubo“, so die lateinische Bezeichnung, vor seinem Ende. Nur 40 Brutpaare hatten die intensive Verfolgung überlebt und Naturschützerinnen schlugen Alarm, um den Bestand des bedrohten Vogels zu erhalten. Die nachfolgenden Hilfsmaßnahmen hatten Erfolg: Tier- und Naturschützerinnen organisierten Zuchtprogramme und Wiederansiedlungprojekte in ganz Deutschland. In Volieren nachgezüchtete Junguhus wurden an geeigneten Stellen ausgewildert. Im Rahmen dieser Kompensationsbemühungen ist die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e.V. und das wertvolle Engagement von Herrn Wilhelm Bergerhausen besonders zu erwähnen.

Auch Christian Erdmann von der Wildtierstation Hamburg züchtete zwölf Jahre lang Uhus, um sie dann auf ein Leben in Freiheit vorzubereiten. "Eine nach dem Wanderfalkenschutzprogramm einmalige erfolgreiche Wiedergutmachung an einem vom Menschen bedrohten Wildtier" erklärt Uhufreund Erdmann." Unsere Junguhus wurden in Polen, Ungarn und Deutschland ausgewildert."

Auch wenn heute wieder ca. 1500 Brutpaare in Deutschland leben, besteht weiterhin Anlaß, Maßnahmen zum Schutz des großen Nachtvogels zu ergreifen, denn die Gefahren, denen er im Zusammenleben mit den Menschen ausgesetzt ist, sind vielfältig: Hochspannungsleitungen, Strassenverkehr und Windräder lassen den Uhubestand zur Zeit in Bayern sinken. "Auch wir bekommen jährlich verletzte Uhus in unsere Station gebracht die Opfer von Autounfällen oder Stromleitungen geworden sind", erklärt Erdmann. Die größte Eule der Welt kann mit ihren 180 Zentimetern Flügelspannweite leicht zur kürzesten Verbindung zwischen Plus und Minus werden. Deshalb ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz seit 2002 die Errichtung gefährlicher Masttypen strikt verboten. Die Gefährdung durch Windkraftenergieanlagen lässt sich aktuell noch nicht in Zahlen ausdrücken. Vereinzelte Funde und Beobachtungen deuten aber darauf hin, dass diese Anlagen für die Vögel problematisch sind und zwar sowohl bezüglich möglicher Kollissionen mit Verletzungs- oder Todesfolgen, als auch bezüglich des Brutverhaltens. Hier gilt es weiter Informationen zu sammeln und Standorte der Windkraftanlagen kritisch-konstruktiv zu hinterfragen. Die neueren Bestrebungen seitens der Betreiber, Anlagen dieser Art auch in Wäldern zu errichten, sind aus Sicht des Naturschutzes abzulehnen und möglichst zu verhindern.

Erfreulicherweise ist der Uhubestand inzwischen wieder so groß, dass sich die Art durch den eigenen Nachwuchs selbst erhalten kann. Und auch in Hamburg brütet der König der Nacht! Auf dem Ohlsdorfer Friedhof findet die große Eule alles, was sie benötigt.

Wer den Tieren beim Balzen und Brüten zuschauen möchte, kann dies mithilfe einer Webcam tun, die die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e.V. in Zusammenarbeit mit dem SWR eingerichtet hat: http://webcam.pixtura.de/SWR_UHU/

Es ist ein Grund zur Freude, dass mithilfe verschiedener Tier- und Naturschutzprojekte unsere Natur wieder um ein faszinierendes Tier bereichert werden konnte, dem der Mensch schwer zugesetzt hat!

 

Text: Christian Erdmann, Kristina Kielblock

Foto: Christian Erdmann