Der Turmfalke: Kleinster heimischer Greifvogel

Zwei circa sechs Wochen alte Turmfalken

Der Turmfalke (Falco tinnunculus) ist die kleinste Falkenart Deutschlands. Im wissenschaftlichen Namen wird ein Hinweis auf den Ruf gegeben: „tinnunculus“ bedeutet schellend, klingend. Ein hohes „kji-kji-kji“ ist charakteristisch.

 

Aussehen
Turmfalken haben ein rostbraunes, tropfenförmig gefärbtes Gefieder, wobei die Rückseite dunkler ist, als die Bauchseite. Unter dem Auge zieht ein dunkler Strich nach unten. Die etwas kleineren männlichen Turmfalken sind gut an ihrem blaugrauen Kopf und den grauen Schwanzfedern von den weiblichen zu unterscheiden.

 

Brutverhalten
Als eigentlicher Felsbrüter, der auf Felsvorsprüngen oder in Spalten nistet, ist er mit der steigenden Siedlungsdichte zum Kulturfolger geworden und nutzt auch Brutplätze in Städten, etwa Fenstersimse von Hochhäusern oder Kirchdächer. Diese Tatsache hat ihm auch seinen Namen gegeben. Auf dem Lande, wo es weder Felsnischen noch hohe Häuser gibt, nehmen Turmfalken gerne verlassene Krähennester als Nistplatz an. Das Weibchen legt zwischen April und Mai 4-7 Eier, aus denen nach etwa 30 Tagen die Jungen schlüpfen. Beide Elternteile beteiligen sich an der Jungenaufzucht.

 

Jagdverhalten

Die schlanken, etwa taubengroßen Greifvögel sind gut an ihrem Rüttelflug zu erkennen (diesen beherrschen mehrere Vogelarten, bei Turmfalken ist er jedoch besonders gut und oft zu beobachten). Der Falke fliegt dabei mehrere Sekunden über einem Fleck und „steht“ in der Luft, die spitz zulaufenden Flügel schlagen schnell und kraftvoll. Dies versetzt ihn in die Lage, eine Stelle am Boden länger anzuvisieren und Beute erfolgreicher aufzuspüren. Hat er ein Beutetier entdeckt, geht er im Sturzflug hinab. Als eine sehr effektive, aber auch energieaufwändigere Jagdtechnik setzt er den Rüttelflug viel häufiger ein als die Ansitzjagd. Rüttelnde Turmfalken können gut über Flächen mit niedriger Vegetation, zum Beispiel brachliegenden Feldern, beobachtet werden.
Er macht vor allem Jagd auf Mäuse. Je nach Nahrungsangebot kommen auch kleine Singvögel hinzu oder aber Insekten, Eidechsen und Regenwürmer.  

 

Feinde
Zu den Feinden des Turmfalken zählen größere Greifvögel wie Habichte, Wanderfalke sowie Marder und Uhu.

 

Lebensraum Stadt
In Großstädten wie Berlin werden spezielle Falkenbrutkästen angebracht, um den Bestand zu stützen. Die Falken fliegen zum Beutefang an die Stadtgrenze oder jagen in der Stadt nach Haussperlingen. Leider sind Städte auch voller Gefahren, so kommen die meisten Turmfalken aufgrund eines Autounfalls zu uns, oder weil sie gegen eine Scheibe geprallt sind.

Auch in Hamburg brüten Turmfalkenpärchen, zum Beispiel in der Michaelis-Kirche in Hamburg-Neugraben. Unter folgendem Link können Sie das Brutgeschehen live miterleben! https://hamburg.nabu.de/natur-und-landschaft/stadtnatur/15787.html

Wenn Sie einem Falkenpärchen ein Nistplatz bieten wollen, können Sie an geeigneter Stelle einen Falkennistkasten aufhängen. Link mit Bauanleitung für einen Turmfalkenkasten: https://hamburg.nabu.de/natur-und-landschaft/stadtnatur/18223.html

 

Text: Eleonora Tilse

Foto: Christian Erdmann