Weltmeister im Ratzen: Der Siebenschläfer

Auch wenn er eher dem Eichhörnchen ähnelt als einer Maus, zählt der Siebenschläfer nach der Systematik zu den Bilchen. Er hat große, schwarze Augen, rundliche Ohren und einen buschigen Schwanz. Und, typisch für Nachtaktive: seine langen Tasthaare für besseren „Durchblick“ in der Dunkelheit. Als Leichtgewicht von 70 – 160 g mit einer Gesamtlänge von ca. 30 cm klettert der Siebenschläfer flink und mühelos Bäume und Hauswände hoch, um hier in Nistkästen oder Baumhöhlen einen Schlafplatz zu finden. Den braucht er auch – immerhin verpennt er glatt die Hälfte des Jahres. Besonders beliebt sind Verstecke in Fensterläden. Oft zum Leidwesen der Hausbewohner, denn die kleinen Nager sind bei der Paarung extrem laut und noch dazu ausgesprochen unordentliche Untermieter.

Sein Name führt zwar zurück auf seinen sieben Monate dauernden Winterschlaf. Diese Ruhephase kann allerdings in besonders kalten Jahren auch mal länger dauern. In der Regel legt er sich gegen Ende Oktober, Anfang November aufs Ohr und ratzt dann bis in den Mai. In dieser Zeit verringert sich die Herzschlagfrequenz von normal etwa 300 auf fünf Schläge pro Minute, und die Körpertemperatur fällt bis auf fünf Grad Celsius. Zur Vermeidung eines Zelltodes wird der Winterschlaf von kurzen Aufwärm- und Aufwachphasen unterbrochen. Siebenschläfer lieben große, leicht verwilderte Gärten und Laubwälder als Wohnort. Auch Obstbaumplantagen suchen sie häufiger auf oder schmuggeln sich in trockene Dachböden, wo sie es sich dann als sogenannte Kulturfolger richtig heimelig machen.

Zum Anfressen des Winterspecks braucht der Siebenschläfer besonders fettreiche Nahrung, und so stehen neben Bucheckern, Eicheln, Haselnüssen und Kastanien auch gern mal Vogeleier, Insekten und junge Singvögel auf dem Speiseplan. In den Sommermonaten achtet er dann ein bisschen auf seine schlanke Linie und macht sich eher über Leichtes wie Pilze, Knospen und Früchte her. Bereits vier Wochen nach dem Erwachen beginnt die kurze Paarungszeit, die sehr abhängig ist von der Fruchtbarkeit der Männchen. Nur wenn die Jungs sich gut durch den Herbst gefuttert haben, entwickeln sich die Hoden erfolgreich.

Es kann vorkommen, dass sich die Paarung bis in den August zieht. Nach einer Tragzeit von ca. 30 Tagen kommen normalerweise fünf bis sechs Jungtiere nackt und blind zur Welt. In Ausnahmefällen können bis zu 11 Junge geboren werden. Nach wiederum 30 Tagen können die kleinen Siebenschläfer sehen. Danach beginnt die kurze Zeitspanne, die ihnen bleibt, um sich auf den langen Winterschlaf vorzubereiten. Hier ist jetzt ein gutes Nahrungsangebot das Allerwichtigste, denn nur so überstehen die jungen Schläfer den ersten Winter. Abgesehen davon setzen ihnen auch andere Waldbewohner wie Baum- und Steinmarder sowie große Eulen nach. In Siedlungsbereichen hingegen sind Hauskatzen eine große Bedrohung für die Kleinen.
Unser Tipp: Reinigen Sie bitte Ihre Vogelnistkästen erst im späten Frühjahr. Dann sind die meisten Nager ausgezogen oder eine Störung wäre zumindest weniger schlimm. Gerade erst wurde uns ein Exemplar der verwandten Haselmaus nach so einer Reinigungsaktion gebracht. Noch ganz schlaftrunken konnten wir sie glücklicherweise in ein neues Domizil umsetzen.
Wenn wir den Siebenschläfer in Pflege bekommen, was im Norden eher selten vorkommt, dann ist er ein dankbarer Pflegling. Wärme, Trockenheit und reichlich Futter – und schon ist das kleine Pelztier rundum zufrieden. Die meisten dieser Bilche bekommen wir von Besitzern von Wochenendhäusern aus ländlichen Gegenden. Da haben es sich die Langschläfer dann hinter Fensterläden oder Rollokästen schön gemütlich gemacht. 

 

Text: Christian Erdmann, Bianca Geist