Ohne Tischmanieren: der Igel

Zu viele Igel werden im Herbst von Gartenbesitzern in die Tierheime und Wildtierstationen gebracht. Bei aufklärenden Gesprächen sehen die Tierfreunde aber schnell ein, dass in den meisten Fällen eine Hilfe unnötig ist. Dann bekommen die fürsorglichen Gartenbesitzer den Igel wieder mit nach Hause - denn nur hier kennt er sich aus und kann sich in seinem Revier auf den Winterschlaf vorbereiten. Der Igel, ein Wildtier, überlebt seit Tausenden von Jahren die europäischen Winter. In den seltensten Fällen ist Hilfe wirklich notwendig. Gesetzliche Vorschriften: das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG). In Deutschland ist es generell verboten, Wildtiere, d.h. Tiere der besonders geschützten Arten, der Natur zu entnehmen. Das Gesetz erlaubt es allerdings, kranke und verletzte Wildtiere aufzunehmen, um sie zu pflegen und dann so schnell wie möglich auszuwildern.
 Natürlich gibt es auch Gründe, den Igel in Pflege zu nehmen:
verletzte Igel, verwaiste Jungigel, Igel im Winter bei Dauerfrost. Es ist jedes Mal eine Einzelentscheidung, ob dem Igel geholfen werden muss. Vergewissern Sie sich, ob kleine Igel wirklich Waisen sind. Fühlen Sie sich kalt an? Liegen sie tagsüber unterkühlt im Garten und rollen sich nicht zusammen? Haben Fliegen schon Eier zwischen die Stacheln und an die Körperöffnungen gelegt? Sind Sie unsicher? Kein Problem. Besuchen Sie mit Ihrem Fundigel eine Tierarztpraxis oder melden Sie sich bei einer der zahlreichen Tierstationen. Selbst am Telefon können Ihnen die erfahrenen Wildtierexperten mit Rat und wenn nötig auch mit Tat zur Seite stehen. Verletzte Igel werden natürlich aufgesammelt und tierärztlich versorgt. Sehr viele Gefahren lauern auf den kleinen Insektenfresser. Motorsensen, Rasenmäher, Hundebisse und natürlich Autounfälle setzen dem Igel zu. Notieren Sie Fundort und Fundumstände.

 

Pflege
Wiegen Sie Ihren Pflegling - nur so können Sie beobachten, ob die Nahrungsaufnahme regelmäßig stattfindet. Füttern Sie bitte niemals Milch. Bieten Sie dem Igel Wasser an. Als Futter dienen Igelfutter aus der Zoohandlung, Katzen- oder Hundefutter, gekochte Eier und/oder gekochtes Hühnerfleisch (bitte aus artgerechter Tierhaltung).

 

Die Gartengestaltung
Mit einfachen Dingen können Sie Ihren Garten igelfreundlich gestalten. Vermeiden Sie vor allem Insekten- und Schneckengift! Pflanzen Sie einheimische Gehölze und Hecken und lassen Sie für den Igel Reisig- und Laubhaufen an geschützten Ecken liegen. Achten Sie darauf, dass Ihr Garten ein sicherer Ort ist. Schaffen Sie Durchschlupflöcher in Nachbars Garten. Gartenteiche mit glattem Rand können zur tödlichen Falle werden. Gestalten Sie Ihren Gartenteich so, dass Säugetiere wieder an Land kommen. Kellerfensterschächte abdecken, Kellertreppenstufen entschärfen indem Sie Ziegelsteine als Kletterhilfe auf jede Stufe legen. Lassen Sie Ihren Komposthaufen von Oktober bis März stehen. Hier könnten schon Igel schlafen. Sie sehen, mit wie wenig Aufwand Sie dem stacheligen Freund in Ihrem Garten helfen können. Weitere Informationen finden Sie bei "Pro Igel e.V."