Vogel des Jahres 2015: Der Habicht

Der Draufgänger unter den Greifen

Habichte sind seltene Gäste in Wildtierauffangstationen, denn die großen Brüder des Sperbers leben sehr heimlich.

Als wendiger Greifvogel schlägt er selbst flinke Tauben, wenn sie leichtsinnig in Bäumen Schutz suchen. Seine kurzen Flügel und sein langer Stoß machen ihn zu einem genialen Kurzsteckenfänger, der geschwind durch das Geäst von Bäumen saußen kann, um dort seine Beute, meist Vögel, zu schlagen. Er ist ein Generalist, was seine Futtertiere angeht. Selbst große Vögel wie Fischadler jagt er. 

Jungvogel und Altvogel kann man gut unterscheiden. Während der Einjährige helle Augen und ein tropfenförmig gemustertes Brustgefieder hat, kleidet sich der mehrjährige Habicht mit einem feinen weiß-grau gestreiften Kleid und orangenen Augen. Den Jungvogel nennt man aufgrund des leicht rötlichen Federkleides auch Rothabicht.

Lange Zeit wurde er von uns Menschen verfolgt, und auch heute ist er gerade unter den Taubenzüchtern noch immer ein verhasster ”Räuber“, dem man skrupellos tödliche Fallen stellt. Doch dank Schutzmaßnahmen konnte sich der Bestand erholen, mittlerweile lebt der ehemals scheue Waldbewohner sogar in Parks von Großstädten wie Hamburg. 

Als einer der drei einheimischen Falknervogelarten ist es in Schleswig-Holstein noch immer erlaubt, als Falkner mit einer Ausnahmegenehmigung den Nachwuchs auszuhorsten. Einem wild lebenden Habichtspaar wird dann zu einem bestimmten Zeitpunkt im Frühjahr ein Teil der Brut entnommen, um diesen für die Beizjagd abzutragen. Nach erfolgreichem Training werden Habichte dann z.B. für die Kaninchenjagd eingesetzt.

Um Ungeziefer vom Nest fern zu halten, begrünt der Habicht seinen Horst. Man vermutet, dass ätherische Öle von Laub und Holz diese vertreiben.

Auch in der Nähe unseres Geländes lebt ein Habichtspaar, dass vergangenes Jahr vermutlich erfolgreich gebrütet hat. 2014 hatten wir vermehrt Besuch von einem Rothabicht, der versuchte, bei uns Beute zu schlagen. Verübeln können wir es dem schlauen Fuchs der Lüfte nicht – denn er folgt schließlich seiner Natur.

Text und Film: Katharina Erdmann

Illegale Lebendfallen auf Hamburgs Hochhausdächern

Unser kurzer Film (siehe Link unten) zeigt einen Rothabicht, der sich in einer von einer Hamburger Wohnungsbaugesellschaft illegal errichteten Taubenfangvoliere verfangen hatte. Sämtliche Vögel, die dort durch Futter angelockt hineingeflogen waren, kamen ohne menschliche Hife nicht wieder raus. Der Habicht hatte sich dort vermutlich die eingesperrten Tauben einverleibt und saß nach Angaben von Bewohnern mehrere Tage dort gefangen. Glücklicherweise war er unverletzt und noch fit genug, soadass wir ihn sofort wieder frei lassen konnten. Den Fall meldeten wir anschließend dem zuständigen Veterinärsamt – doch leider handelt es sich dabei nicht um einen Einzelfall.

 

https://www.facebook.com/video.php?v=348391835215280&set=vb.114195805301552&type=2&theater