Die Graugans – Wachhund im schlichten Gefieder

Die wilde Verwandte unserer Hausgans ist die häufigste einheimische Gänseart. Ihr schlichtes bräunliches graues Federkleid steht im deutlichen Kontrast zu den blass orangenen bis fleischfarbenen Beinen, Füßen und dem Schnabel. Auf Entfernung kann sie leicht mit der sehr ähnliche gefiederten Bläss- und Saatgans verwechselt werden.

Mit ihren 2 bis 4,5 kg Körpergewicht zählt die Graugans zu den größten innerhalb der Gänsefamilie. Nur die mittlerweile auch bei uns heimisch gewordenen Kanadagans überragt sie in Größe und Gewicht.

 

Lebensraum

Graugänse sind eng ans Wasser gebunden und leben in Schilf- und Rohrbeständen, Sümpfen, an Flussauen und Seen. In der Wildtierpflege benötigen sie unbedingt Bademöglichkeiten, die sie täglich mehrmals ausgiebig nutzen.

Die meisten Gänsearten sind sie sehr gesellige Tiere und leben meist in größeren Gemeinschaften. Während manche Graugänse Zugvögel sind, verbleiben sie in milden Wintern auch häufig innerhalb Mitteleuropas.

In Hamburg leben sie zahlreich rund um die Alster, dort kann man sie in Verbänden auch in nahegelegenen Grünanlagen beobachten.

 

Nahrung

Graugänse sind Vegetarier und futtern am liebsten pflanzliche Triebe, Blätter, Stängel sowie Samen und Teile von Wasserpflanzen. Mit ihrem kräftigen Schnabel rupfen sie gerne Gras und Gräser sowie junges Getreide.

Bei Landwirten sind Graugänse nur bedingt gern gesehen, da sie gerade im Frühjahr und Herbst zu Scharen über die Felder einfallen und sich an dem jungen Getreidegrün satt fressen und damit wirtschaftlichen Schaden anrichten können.

 

Nachwuchs

Gänse leben in enger Paarbindung und bleiben ihrem Partner treu. Wer einmal eine trauernde Gans, die ihren Partner verloren hat, beobachtet hat, wird das Klagen nicht vergessen. Uns ist von daher der Appetit auf Gänsebraten vergangen.

Ab dem 3. Lebensjahr sind Gänse in der Regel geschlechtsreif. Ihr einfaches Gelege, das sie am Boden haben, besteht aus 4 bis 8 Eiern, die aussehen wie zu groß geratene Hühnereier. Während die weibliche Gans brütet, hält ihre Partner, der Ganter, Wache.

Dabei verstehen sie keinen Spaß. Ähnlich wie man es von Hausgänsen kennt, betreiben sie dies sehr ernsthaft und durchaus wehrhaft.

Die Küken schlüpfen nach circa 29 Tagen. Sie sind Nestflüchter und können ihren Eltern schon kurz nach dem Schlupf folgen. Nach etwa 2 Monaten werden die Kleinen flügge.

Gänse werden in der menschlichen Aufzucht sehr schnell zahm. Um sie auf die Auswilderung vorbereiten zu können, ist es dringend erforderlich, dass sie in einer artgerechten Gruppe heranwachsen.

 

Sinne

Die Graugans hat einen ausgezeichneten Gesichts- und Gehörsinn. Ihr kräftiger Schnabel ist an der Innenseite sehr tastempfindlich. Er unterscheidet sich schon bei den Kleinen deutlich von dem der Enten, denn er ist kürzer und höher.

 

Feinde

Der größte Feind der Gans ist der Mensch. Als jagdbares Wild darf sie zu bestimmten Zeiten bejagt werden. Dazu wird ihr Lebensraum immer häufiger durch die Trockenlegung von Feuchtgebieten zerstört sowie durch die zunehmende Freizeitnutzung von Seen durch uns Menschen eingeschränkt. Es ist von daher eine logische Schlussfolgerung, dass sie als Ausgleich landwirtschaftliche Flächen für sich nutzen.

Für ausgewachsene Graugänse stellen als natürliche Feinde ansonsten nur Fuchs und vereinzelt auch der Seeadler eine wirkliche Bedrohung dar. Junge Gänse dagegen müssen sich auch vor kleineren Raubtieren in Acht nehmen.

 

Geschichte

In mehreren geschichtlichen Überlieferungen wird von Gänsen berichtet, die zum Bewachen von Haus und Hof eingesetzt wurden, so zum Beispiel auch für die Sicherung des Kapitols im alten Rom. Dazu gelten sie seit jeher als sehr klug. Die landläufige Bezeichnung „dumme Gans” wird ihr von daher alles andere als gerecht.

 

Text und Foto: Stephanie Lange und Darja Mahler, Wildtier- und Artenschutzzentrum