Vogel des Jahres 2012: Die Dohle

Es macht Spaß diese lustigen Gesellen bei ihrem Treiben zu beobachten. Durch den Grauschleier am Kopfgefieder wirkt die Dohle gleichsam zart als auch elegant. Auch die helle Iris wirkt ungewöhnlich für einen Rabenvogel. Mit ihrem anmutigen Gang stolziert sie über Wiesen und Felder und sucht nach allerlei Fressbaren. Engerlinge, kleinste Insekten aber auch Babymäuse werden nicht verschmäht. Obst, Beeren und Keimlinge runden den Speiseplan ab. Ein geselliges Kerlchen, das während seiner lebenslangen Ehe meist gemeinsam auf Futtersuche geht.


Im zweiten Lebensjahr wird meist das erste Mal ein Nest gebaut, liebend gerne in Baumhöhlen. Ende März/Anfang April legt das Weibchen in der Regel vier bis sechs Eier. Nach 19 Tagen schlüpfen dann die noch nackten Jungvögel. Für die Aufzucht ist proteinhaltige Insektennahrung von größter Bedeutung. Die Eltern versorgen gemeinsam ihren Nachwuchs, und die gesamte Familie macht dabei ordentlich Radau. Bekommt man verwaiste Dohlen zur Handaufzucht, ist der Lärm meist kaum auszuhalten. Da helfen den menschlichen Ersatzeltern nur noch Ohrenschützer.
Nach vier Wochen verlassen die Jungdohlen ihre Kinderstube. Neugierig machen sie dann die ersten Hüpfer im Geäst und am Boden. Dabei werden sie noch weitere vier Wochen von den Eltern und anderen Dohlenkoloniebewohner versorgt.


Der Höhlenbrüter unter den Rabenvögeln ist auf der Suche nach einer geeigneten Bleibe nicht wählerisch. Mauernieschen, Kirchtürme und Häuserfassaden bieten reichlich Unterschlupf. Sie brüten auch gerne in menschlichen Behausungen, z.B. in Schornsteinen. Das kann jedoch für beide Seiten ins Auge gehen. Denn wenn im kühlen Frühjahr der Kamin noch einmal angezündet wird, werden die Jungvögel durch den Rauch vergiftet. Gleichzeitig kann der giftige Qualm nicht abziehen und gefährdet gleichzeitig auch die Bewohner im Haus. Tipp: Wenn Sie in einer Dohlengegend wohnen, fragen Sie Ihren Schornsteinfeger. Er berät Sie sicherlich gerne.
Leider verschließen viele Gemeinden ihre Kirchtürme mit Netzen, sodass die Nistmöglichkeiten in den Städten und Dörfern immer geringer werden. In Brandenburg steht die Dohle schon auf der Roten Liste. In Schleswig Holstein und in Friesland kommt die Dohle glücklicherweise noch recht häufig vor. Doch aus Mangel an Brutplätzen beziehen sie hier sehr zum Ärger einiger Steinkauzschützer deren Brutkästen. Und auch wenn die Dohle auch gerne Nachmieter des seltenen Schwarzspechtes ist, so kann dieser gar nicht ausreichend genug zimmern, dass es für alle Interessenten ausreichen würde.
Wer den geselligen Rabenvogel unterstützen möchte, kann einen Nistkasten hoch an einem Baum im Garten anbringen. Der nützliche Insektenfresser hilft Ihnen dann bei der Reduzierung unerwünschter Insekten.


Auch im Herbst und Winter leben die geselligen Singvögel in großen Schwärmen, dann auch oft vermischt mit Saatkrähen, die aus Osteuropa bei uns überwintern. Schlicht und einfach nach bewährtem Motto: Viele Augen sehen mehr und bieten dadurch mehr Schutz vor Uhu und Habicht. Die selbe Taktik wie bei der Brut: Gemeinsam sind wir stark. 

Eine Dohle kommt selten allein ...

 

Text: Christian Erdmann, Katharina Neeb

Foto: Jungdohlen in der Handaufzucht, Christian Erdmann