Tierisch starker Baumeister: Der Biber

 

Der Biber (Castoridae) ist das größte Nagetier Europas, dämmerungs- und nachtaktiv und hält keinen Winterschlaf. Nicht umsonst trägt er den Namen Baumeister, da er seinen Lebensraum, die Gewässer und deren Uferbereiche, aktiv für sich umgestaltet. Dabei schafft er neuen Lebensraum für zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten.

 

Biber wohnen in Burgen aus Zweigen, Stämmen, anderen Pflanzenteilen und Schlamm, deren Eingangsröhren unter Wasser liegen und die möglichst nicht trocken fallen.

 

Foto: Axel Heinken Diesen jungen Biber hatten wir 2013 als Waisenkind nach dem Elbe-Hochwasser aus Lauenburg in Pflege bekommen. Bild: Axel Heinken

 

Aussehen

Biber sind bis zu 130 cm lang, haben einen breiten, beschuppten Schwanz, die sog. Kelle, und orangefarbene Zähne. Diese wachsen dauerhaft nach, sind wurzellos und schärfen sich selbst. Sie können bis zu 35 kg schwer und 8-10 Jahre alt werden.

Das Fell des Bibers ist wasserabweisend und mit dem „Bibergeil“ eingefettet - ein Sekret aus seinen Drüsensäcken, welches er nicht nur zur Fellpflege, sondern auch zum Markieren seiner Reviergrenzen nutzt. Er hat fünf Finger an seinen Vorderpfoten und Hinterfüße mit Schwimmhäuten.

 

Nahrung

Biber sind herbivore Tiere, die im Sommer hauptsächlich junge Triebe (z.B. von Weiden), Kräuter und verschiedene Wasser- und Uferpflanzen fressen. Im Winter ist die Rinde von Weichhölzern ihre Hauptnahrung.

 

Sozialverhalten & Fortpflanzung

Biber leben in Familienverbänden in einem Revier, welches sie gegen andere Artgenossen verteidigen. Die Biberfamilie besteht aus drei Generationen. Im Vergleich zu anderen Nagern und Säugetieren weisen sie eine sehr niedrige Fortpflanzungsrate auf. Ein Biberpaar, welches in monogamer Dauerehe lebt, paart sich umklammert in der Nacht im oder unter Wasser. Die Paarungszeit ist in der Regel zwischen Januar und März. Von Mai bis Juni kommt es nach einer Tragzeit von 105-108 Tagen zur Geburt von 1-3 Jungtieren pro Jahr.

 

Konflikte
Nicht überall ist der Biber wieder gern gesehen. Interessenkonflikte zwischen Mensch und Wildtier entstehen vor allem in land- und forstwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten. Durch die Dämme des Bibers, wodurch er Wasser anstaut und seine Burg tauchend erreichen kann, werden Teile von Feldern und Wiesen in unmittelbarer Nähe dieser Gewässer überschwemmt. Die entstehende Staunässe durch die Grundwasseranhebung erschwert die Bewirtschaftung dieser Flächen. Wenn Äcker mit Mais, Zuckerrüben, Getreide oder auch Obstbäume direkt an die Gewässer reichen, machen Biber auch davor nicht Halt. Abgesehen vom Bäume fällen, gräbt der Biber, um Zugänge zu Bauen und Burgen zu schaffen, Röhren in die Ufer, welche unter Wegen, Straßen oder Hochwasserdämmen problematisch werden können. Es ist schwierig, Artenschutz und die Ansprüche des Menschen in Einklang zu bringen. Es gibt jedoch Lösungsansätze, wie z.B. das Bauen von Dammdrainagen, Binden von Maschendraht um Bäume und das Schaffen von ungenutzten Uferrandbereichen zwischen Gewässern und Feldern.

 

Jagd & Schutz

Durch Bejagung wegen des dichten, weichen Fells und des Fleisches wurde der Europäische Biber in weiten Teilen Europas ausgerottet. In fast ganz Deutschland galt der Biber lange Zeit als ausgestorben. Die Bestände konnten sich durch Auswilderungen und konsequenten Schutz in den letzten Jahrzehnten wieder erholen.

Der Biber unterliegt heute nicht dem Jagdrecht und seine Burgen und Dämme sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz und europaweit durch die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (Natura 2000) besonders geschützt. Man darf ihn weder vertreiben noch stören.

90 % ihrer Aktivitäten finden in weniger als 10 Metern Entfernung vom Ufer statt – Gewässerschutz ist somit auch Biberschutz. Es gibt Naturschutzorganisationen, Biberrevierbetreuer u. w., die sich für den Schutz des Bibers und seines Lebensraumes einsetzten.

 

 

Quellen:

http://www.loki-schmidt-stiftung.de/projekte/projekt_biber.php

https://www.hamburg.de/contentblob/4089574/8a40a9f8da741378bf0a8a845844399c/data/download-biber-flyer.pdf

https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ischer_Biber

https://www.swr.de/blog/diedurchblicker/2016/08/22/naturschutz-versus-landwirtschaft-bibermanagement/

https://www.entenlacke.com/flora-fauna/biber/biber-und-mensch/

Junger Biber in Pflege. Bild: Axel Heinken