Die Amsel alias Schwarzdrossel

Der aus der Familie der Drosseln (Turdidae) stammende heimische Singvogel war ursprünglich ein scheuer Waldbewohner. Doch als Kulturfolger gehört er inzwischen zu den bekanntesten Garten- und Parkvögeln bei uns und hat sich seit den fünfziger Jahren immer besser integriert.

Die ca. 25 cm großen Vögel lassen sich durch Ihre Färbung einfach in Männchen und Weibchen einteilen (Geschlechtsdimorphismus). 

Die Männchen haben schwarzes Gefieder, das stark im Kontrast steht zu ihrem gelb- bis orangefarbenen Schnabel und Augenring. 

Die etwas kleineren Weibchen sind dagegen unauffällig braun gefärbt, wodurch sich der gelbe Augenring und der bis ins Braun gehende Schnabel nicht so deutlich abheben.

Die Jungvögel sind ähnlich dem Weibchen gefärbt, lassen sich aber durch den Größenunterschied, hellere Flecken an Brust- und Bauchseite und vor allem durch den fehlenden gelben Augenring und Schnabel unterscheiden. Abweichende Weiß-Färbungen kommen durch fehlende Pigmentbildung vor.

Die Amsel ist vor allem stets beschäftigt am Boden und im Unterholz anzutreffen, wo sie nach Würmern und Insekten und deren Larven sucht, aber auch Beeren und Früchte (vor allem die des Efeus) gehören zu ihrer Hauptnahrung.

Ab dem Frühjahr begleitet der schöne Gesang menschliche „Nachtschwärmer“ schon in den frühen Morgenstunden, auf den Weg nach Hause, oder bereitet uns stimmungsvolle Abende auf Balkon oder im Garten.

Dabei ist vor allem der Reviergesang der Männchen, der von wechselnden, erhöht liegenden Positionen (Warten) vorgetragen wird besonders melodisch und abwechslungsreich. So manch ein Gartenbesitzer soll sich wundern, wenn die Amsel aus dem Garten den Handyklingelton täuschend echt im Gesang mit integriert hat.

Dagegen wird das nervige „Zetern“ aktiv zum Vertreiben und Hassen von Feinden angewendet.

Das Nest wird im Baum oder im Gebüsch gebaut. In menschlicher Umgebung kann man die Nester auch, z.B. wegen Platzmangel, an durchaus kreativen Orten, wie Mauern, Balken, zur Überwinterung an die Wand gehängte Kanus oder ähnlichem finden. 

Zur Befestigung des Nistmaterials werden die Nester mit Schlamm ausgekleidet. Die  drei bis fünf Eier sind bläulich-grün mit dichten rötlichen Tupfen. Etwa 13 Tage werden die Eier  hauptsächlich von dem Weibchen bebrütet. Bis zu 4-5 Bruten kann ein Paar pro Jahr aufziehen, was sicherlich zu der großen Verbreitung der Tiere beigetragen hat und die großen Verluste durch Nestplünderer, wie z.B. die Elster, aushält.

Beide Elterntiere füttern die Jungen. Nach etwa 13 Tagen verlassen die Küken das Nest und werden zu so genannten Ästlingen, die oft sehr unbeholfen durch das Geäst und über den Boden hüpfen und noch eine Zeitlang von den Eltertieren betreut werden. Dieses ist die gefährliche Zeit, in der viele Jungtiere Opfer von z.B. Katzen oder Regentonnen werden, oder als vermeintliche Notfälle von Menschen eingesammelt werden. 

Ein Großteil der Stadtamseln überwintert bei uns. Doch viele der im Wald lebenden Amseln und um die 80% der Amseln aus den nördlich-europäischen Gebieten ziehen nach Südeuropa oder Nordafrika.

Seit 2001 tritt in Europa, das durch Stechmücken übertragene Usutu Virus auf. In Deutschland erstmals nachgewiesen 2009, führte es 2011 zu einem Massenvogelsterben in der Rheinebene und angrenzender Gebiete, wobei die Amsel besonders betroffen war. Das Hamburger Bernhardt-Nocht-Institut für Tropenmedizin, konnte Anfang 2012 zwar noch keine Viren in Vögeln nachweisen, aber in den überwinternden Stechmücken. So wurde mit einer weiteren Verbreitung des Virus und den plötzlichen Massensterben bei Vögeln gerechnet, was sich im Juni dann leider auch bestätigte. Das Virus wurde in den ersten toten Amseln nachgewiesen und eine Ausbreitung des Virus zeichnet sich durch weitere Totfunde in bisher noch nicht befallenen Gegenden ab. 

Tote Tiere sollten nicht ohne Schutz (Handschuhe, Hilfsmittel) angefasst werden, da das Virus auf Menschen übertragen werden kann, das aber bisher, nachweislich, nur bei immungeschwächten Personen einen schweren Verlauf nehmen kann.

 

Text: Michaela Vogt

Foto: Angela Kraft