Pressemitteilungen

Ruhe, bitte!

 

In unserer heutigen Zeit, in der die Zivilisation die Lebensräume der heimischen Flora und Fauna stark eingeschränkt hat, finden unsere Wildtiere gerade in den stark besiedelten Regionen nicht immer genügend Rückzugs- möglichkeiten.
Der Winter ist dazu eine besonders harte und meist magere Zeit für die Tiere. Um Kraft zu sparen, verschlafen manche Tierarten den Winter, so z.B. Igel und Murmeltier. Andere halten zumindest Winteruhe, wie z.B. Dachs und Biber. Aber auch alle anderen drosseln ihren Stoffwechsel und vermeiden unnötige Bewegungen. Wenn dazu noch die Gewässer zugefroren sind und tagelang eine dicke Schneedecke über dem Land liegt, kann es für manche, vor allem die unerfahren Jungtiere aus dem letzten Frühjahr, kritisch werden. Zu viele Störungen, die die Tiere aufschrecken oder gar aus ihrem Schlaf oder Ruhephase aufwecken, können dann lebensbedrohlich sein. Der Energiebedarf übersteigt die eigenen Reserven und schwächt die Tiere somit noch weiter.
Vor allem Hundehalter sollten sich dessen bewusst sein und in diesen Zeiten darauf achten, dass ihre Vierbeiner nicht den Weg verlassen. Der eigene Hund kann noch so gut erzogen sein, schon seine Nähe genügt oftmals, dass Wild aufgescheucht wird oder es zu beunruhigen, auch wenn wir dies gar nicht immer mitbekommen. Und auch wir selbst genügen oftmals schon, um das Wild aufzuschrecken. Querbeet über Wiesen und durch den Wald zu ziehen, ob mit oder ohne Hund, sollte dann erst recht tabu sein. Für uns erscheinen die davon springenden Rehe zwar idyllisch, für die Tiere selbst ist es jedoch kräfteraubender Stress. Und ist der Winter erstmal überstanden, folgt mit der Jungtieraufzucht die nächste kräftezehrende Zeit.
Das heimische Wild gewöhnt sich jedoch auch an Hundespaziergänger, die ihre Wege einhalten. Dann herrscht ein friedliches Nebeneinander.

 

Text: Wildtierstation Hamburg

 

Kostenloses Bildmaterial auf Anfrage.

Presserückfragen an Christian Erdmann

erdmann@wildtierstation-hamburg.de

Wer Fledermäuse in ihrem Winterschlaf stört, kann die geschützten Tiere in Lebensgefahr bringen.

 

Während der kalten Jahreszeit halten Fledermäuse eine Art Winterschlaf. Die meisten überwintern auf Dachböden oder in Kellerschächten, aber auch in Baumhöhlen, Gartenschuppen und Kaminholzstapeln. Wenn sie geweckt werden, z.B. durch das Wegnehmen von gestapeltem Kaminholz, benötigen die Fledermäuse viel Energie, um den Stoffwechsel wieder hochzufahren. Das geht einige Male gut, aber bei zu vielen Störungen reicht das Fettpolster nicht mehr für den weiteren Winterschlaf aus und die Tiere geraten in Lebensgefahr. Fledermäuse sollten daher wenn möglich nicht geweckt werden, sondern ruhig an einen sicheren Ort gebracht werden.

Auch kleine Fledermäuse sind Wildtiere und können äußerst schmerzhaft zubeißen. Umfassen sie das Tier daher nie mit der Hand, sondern lieber mit einem Stofftuch. Als sichere Plätze eignen sich z.B. Baumhöhlen oder Nistkästen. Eine Fledermaus, die sich in einen Kaminholzstapel verkrochen hatte, setzt man am besten in den Teil des Holzstapels um, der erst im nächsten Jahr umgeschichtet werden soll. Entdeckt man eine verletzte Fledermaus, muss sie so schnell wie möglich in die nächste Wildtierstation gebracht werden. Dazu legt man die Fledermaus am Besten in einen Pappkarton, der mit locker zerknülltem Küchenpapier gepolstert ist. Der Karton sollte gut verschlossen werden, da Fledermäuse sich durch winzigste Lücken zwängen können. Vergessen Sie aber auf keinen Fall kleine Luftlöcher!

 

Christian Erdmann von der „Wildtierstation Hamburg“ in Elmshorn informiert: „Alle Fledertiere sind in ihrem Bestand stark gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht. Laut Bundesartenschutzverordnung gelten sie als streng geschützt. Das bedeutet, dass ihre Schlafstätten nicht unbeabsichtigt gestört oder gar zerstört werden dürfen.“

Da Fledermäuse während des Winterschlafs alles mitbekommen, was in ihrer nächsten Umgebung passiert, spricht man bei ihnen eher von einer Winterlethargie. Während dieser Zeit laufen ihre Lebensfunktionen auf Sparflamme. Der Herzschlag verringert sich von ca. 600 Schlägen pro Minute auf nur 10 Schläge. Auch die Atemfrequenz geht stark zurück. Wird eine Fledermaus aus der Winterlethargie geweckt, ist sie zunächst flugunfähig und benötigt zwischen 10 und 45 Minuten, um wieder ihren normalen Stoffwechsel zu erreichen. Ab März erwachen die Fledermäuse aus Ihrem Winterschlaf. Die ersten warmen Sonnenstrahlen erwärmen das Quartier und die ersten Mücken tanzen in der Luft und stellen eine lebenswichtige Energie.


In der Wildtierstation Hamburg werden pro Jahr etwa 500 Jungvögel, Eichhörnchen, Hasen und andere Wildtiere gerettet, aufgezogen, medizinisch versorgt und zu fast 60 Prozent wieder freigelassen. Mit Unterstützung von VIER PFOTEN arbeiten Christian Erdmann und sein Team an effektiven Maßnahmen für die verbesserte Rehabilitation, Aufzucht und Freilassung bzw. Unterbringung bedürftiger Wildtiere.

 

Text: Wildtierstation Hamburg in Zusammenarbeit mit VIER PFOTEN