Ohne Wildnis kein Leben

Was jeder wissen sollte und tun kann

Ein Reh auf der grünen Wiese, von Wäldern umsäumte Berge, Enten auf Flüssen und Seen – was beim Blick aus dem Zug oder Auto an vielen Stellen so idyllisch aussieht, täuscht leider meist. Denn in unserer zivilisierten Welt gibt es kaum noch Platz für Wildnis, ist alles durchplant, strukturiert und im Sinne des Menschen gestaltet. Intensive Land- und Forstwirtschaft und der stetige Ausbau von Bebauung haben unsere Natur unterworfen.

 

Dort wo ehemals dichte Buchenwälder standen, sich ausgedehnte Moore befanden und sich Flüsse durch Auenlandschaften schlängelten und einer atemberaubenden Artenvielfalt Heimat boten, bestimmen nun bewirtschaftete Felder, Wiesen und Wälder das Bild unserer Landschaften.

 

Die grüne Wiese wird spätestens im Mai das erste Mal gemäht und unzählige Bodenbrüter wie Kiebitze und Goldregenpfeifer, junge Feldhasen und Rehkitze werden Opfer der Schneidewerke. Unsere Wälder können nicht mehr nach den Bedürfnissen der Natur wachsen, sondern unterliegen - bis auf wenige Ausnahme (1 %!) – den Interessen der Forstwirtschaft. Totholz, das für das ökologische Gleichgewicht grundlegend ist, wird weggeräumt.

 

Eine gut gewachsene Eiche bringt auf dem Holzmarkt bis zu 10.000 Euro. Grauspechte und Wildkatze, ehemals weit in unseren Wäldern verbreitet, sind rar geworden. Viele Gewässer wurden begradigt und sind durch Dünger aus der Landwirtschaft schwer belastet. Aktuelle Zahlen sprechen davon, dass bundesweit unter 10 % der Oberflächengewässer gute Werte aufzeigen. Das hat fatale Folgen für diejenigen, die von ihnen abhängig sind. Viele Fischarten sind bereits ausgestorben und nicht ohne Grund sind Rohrdommel, Biber, Fischotter, Uferschnepfe und Bekassine bei uns selten geworden. Denn wir haben ihnen die Lebensgrundlage genommen. Gepflügt wir zudem meist bis ans Ufer, und das, obwohl es laut Uferrandstreifenprogramm verboten ist - denn jeder Quadratmeter Ackerfläche bringt den Landwirten Bares. Büsche und Bäume stören dort nur, obwohl sie wichtige Lebensgrundlage für viele einheimische Wildtiere sind.

 

Auch trockengelegte und abgetorfte Moore bieten keinen Lebensraum mehr für Birkwild, Goldregenpfeifer und großen Brachvogel. Drainagerohre durchziehen unser Land, denn das Wasser soll so schnell wie möglich weggeleitet werden, damit die Flächen bewirtschaftet werden können. Doch das hat andererseits zur Folge, dass die Wiesenvogelpopulationen zusammengebrochen ist.

 

Anstatt den Tatsachen ins Gesicht zu schauen, werden andere Schuldige gesucht, vorneweg der Fuchs.

 

Auch das, was auf den Äckern wächst, hat oftmals nichts mehr mit natürlichem Bewuchs zu tun. Der so schön strahlend gelb leuchtende Doppel-Null-Raps wird wegen der fehlenden Bitterstoffe gern von Rehen gegessen. Doch durch seinen hohen Eiweißanteil erleiden die Tiere einen Eiweißschock. Das hat zur Folge, dass sie ihre natürliche Scheu verlieren und oft zu Straßenopfern werden oder gar direkt verenden. 

 

Mit dieser intensiven Bewirtschaftung unserer Natur haben wir nicht nur den Lebensraum von Flora und Fauna massiv eingeschränkt. Täglich kommen durch verschiedene Faktoren auch die Wildtierarten zu Schaden, die sich ansonsten gut arrangieren können. Rehkitze werden schwer verletzt durch die frühe Mahd, tieffliegende Vögel wie z.B. Eulen bleiben im Stacheldraht hängen, junge Eichhörnchen verlieren ihre Kinderstube durch Baumfällarbeiten in der Forstwirtschaft.

 

Jährlich werden über 1.000 Wildtiere in die Wildtierstation Hamburg/Schleswig-Holstein gebracht, die durch diese Faktoren zu Opfern wurden. Die Auffangstation nordöstlich von Hamburg ist seit 2010 Kooperationspartner von VIER PFOTEN.

 

Doch was kann jede/r Einzelne tun, um Wildnis wieder eine Chance zu geben?

 

  • Anstatt der billigen Blumenerde mit hohem Torfgehalt sollten man nur noch torffreie Erde kaufen (gibt es auch schon im Baumarkt).
  • Üben Sie Druck auf die Politik aus, dass zukünftig Subventionen nur noch für den ökologischen Landbau gezahlt werden.
  • Kaufen Sie Produkte aus anerkannter ökologischer Landwirtschaft, denn diese bewirtschaften ihre Flächen deutlich naturnaher.
  • Bieten Sie gemeinsam mit anderen Naturfreunden Landwirten ihre Hilfe beim Absuchen der Felder vor der Mahd an, mit der zumindest ein Großteil der Bodenbrüter aufgeschreckt wird bzw. ggf. Gelege gesichert werden können. Diese Absuche ist i.d.R. sogar verpflichtend!
  • Bieten Sie an, dabei zu helfen Stacheldraht abzubauen, der nicht mehr gebraucht wird. Oftmals wird er dort, wo keine Viehhaltung mehr betrieben wird leider nicht abgebaut und verrottet und verwächst in Bäumen und Gebüschen, wo er zur tödlichen Falle für Wildtiere wird.
  • Bauen Sie nicht auf bisher unbebautem Grund, sondern ziehen sie Flächen vor, die bereits bebaut waren oder beziehen Sie noch besser einen bereits bestehenden Bau.
  • Lassen Sie das Auto stehen, wann immer es geht und ziehen Sie das Fahrrad oder den ÖPNV vor.
  • Kaufen Sie Holzprodukte nur aus waldschonender Bewirtschaftung.
  • Beachten Sie die geltenden Regelungen wie z.B. die Schutzphase ab 1. März bzgl. Baumfäll- und Heckenpflegearbeiten im privaten Bereich.